„Fangt uns doch!“ Warum dieser Stücktitel?
26. September 2006
Schurik (Alexander Schmorell), der Freund von Hans und Sophie ruft „Fangt uns doch!“ als Schlusssatz unseres Theaterstückes. Er ruft es seinem Verräter, dem Stadtstreicher, zu. Wenn ich jetzt hochstapeln wollte, dann ist das eine Handlung, wie sie auch J.v.N. gegenüber seinem Verräter einnahm. Untertags hätte niemand gewagt, den, den die einfachen Leute so liebten, gefangen zu nehmen. Jesus ahnt zumindest, dass Judas seine eigenen Pläne hat. Trotzdem geht er, wie er es gewohnt war, in jener Nacht in diesen Garten Getsemani am Ölberg. Als würde er dem Judas zurufen: „Fang mich doch!“ In dieser Stunde macht Jesus ernst mit der Bergpredigt, so wie er sie verkündet hat.
Die Theaterhandlung des Schurik hat etwas von der Bergpredigt. Bevor er sein „Fangt uns doch“ ruft, bemalt Schurik den Stadtstreicher und die anderen nicht wie ein Bösewicht, sondern wie ein Künstler (im Sinne von „Sorgt euch nicht, was ihr morgen…“). Die Szene ist freilich viel verspielter, als es für gewöhnlich eine Situation in Reichweite eines Verräters nahe legt. Sie spielt in einer Phase, in der es noch nicht spitz auf Knopf steht. Unser Theaterstück erzählt überhaupt von einer Zeit (vermeindlich lange) vor dem Ernstfall.
Das Stück macht einen Vorschlag, wie man leben kann, wenn gerade kein Ernstfall ist. Die Freunde, die voll von Lebensgeist sind, rufen den anderen zu: „Fangt uns doch! Versucht es doch, uns zu nehmen, was uns so anziehend macht! Versucht es festzuhalten, schreibt ein Theaterstück darüber und bringt es auf die Bühne.
Ihr fangt es nie. Und doch ist es besser, auf Jagd zu gehen als zuhause herum zu sitzen. Vielleicht werdet ihr nebenbei angesteckt, deshalb mag es einen Sinn machen, dass ihr uns nachjagt. Die Chancen dafür sind gar nicht so gering. Aber ihr werdet es nie festhalten, und auch wir selber, die, die ihr jagt, werden es nie in der Hand haben und sagen: Schau hier, da ist das Attraktive, nimm es und mach etwas damit. Auch wir haben es nur geschenkt und nur kurze Zeit. Kurze Zeit, bis uns der Henker einen Kopf kürzer macht.
Aber das ist nicht so schlimm, die Idee lebt weiter. Es gibt dann später andere Leute, die eine Gemeinschaft leben, die so attraktiv ist, dass die anderen dieser Art zu leben nachjagen.“
3. November 2006 at 2:23
[...] Unter der Kategorie “Inhalt” findet sich ein einführender Presseartikel und eine weitere Inhaltsangabe aus der Perspektive der Teufel. Es war mir ein Spaß, dass in der neuen Inhaltsangabe das Wort “Teufel” gar nicht vorkommt. Auf seine Art einführend ist auch mein Artikel zum Stücktitel. [...]