Tom Tykwer: „Drecklevel“
26. September 2006
Warum diesen Blog? – Damit wir beim Spielen möglichst viel „wissen warum“.
Ich zitiere Tom Tykwer, Regisseur von u.a. „Lola rennt“ und jüngst „Das Parfum“, aus einem Interview in der FAZ. (Man soll sich an den Großen des Fachs orientieren. Beziehungsweise tun, was sie sagen, nicht unbedingt sich daran orientieren, was sie selber tun – so jedenfalls j.v.n. – ich selber habe den Film nicht gesehen.)
„Ich habe mir tatsächlich nie vorgestellt, daß ich einen Kostümfilm machen würde. An Kostümfilmen ärgert mich immer, daß die Leute so aussehen, als seien sie vor zwei Minuten vom Kostümbildner angezogen worden, und mich ärgert der Zustand, in dem die Welt ist. Es sieht immer aus wie Heute, ein bißchen auf Gestern getrimmt, weil Oberflächen nicht genügend bearbeitet werden und bei Filmen, die im achtzehnten Jahrhundert spielen, zum Beispiel das Drecklevel einfach nicht stimmt.“
Stimmt, Kostümtheater wollen auch wir nicht machen, aber ganz ohne soldatische Stiefel und Mützen wird es auch nicht gehen. Und auch der Tom Tykwer hat ja mit „Das Parfum“ einen historischen Film gemacht.
„Wir haben versucht, einen historischen Film zu machen, der nicht die Theatralik eines herkömmlichen Kostümfilms bemüht, nicht diese artifizielle Ästhetik herstellt, die automatisch einreißt, wenn Komparsen in Kostüme gesteckt werden, in denen sie sich nicht wohl fühlen, und von links nach rechts laufen, ohne zu wissen, warum. Wir haben mit den Darstellern, auch den Statisten, über alles geredet, was sie tun, und haben darauf bestanden, daß alle auch können, was sie tun. Die Fischmetzger müssen Fische ausnehmen können, sie müssen Gesichter haben, die in die Zeit passen, sie müssen vor allem in ihren Kostümen schon Zeit verbracht haben. Wir wollten den Trick Süskinds wiederholen, der eine erfundene Geschichte so erzählt, als sei sie wirklich geschehen, und der uns mitnimmt in diese Epoche. Süskind vermittelt uns ein glaubwürdiges Gefühl der Zeit, wie sie wahrscheinlich gewesen ist, vor allem eben das Leben auf der Straße und nicht in den Adelshäusern, die wir sonst fast immer sehen im Kino.“
Auch wir wollen niemand nur in irgendein Kostüm stecken und irgendwas spielen lassen, sondern jeder soll wissen, warum dies und das.